PTBS-Therapie in Hamburg

Traumatisierung durch Gewalt

Das Erleben schrecklicher Gewalt kann eine Belastung werden, die schwer zu verarbeiten ist, kann traumatisieren.

 

Die Geschehnisse lassen den Betroffenen nicht los, wiederholen sich in Erinnerungen oder Bildern immer wieder und können zu einem massiven Verlust an Lebensqualität führen.


Häufiger Auslöser ist Krieg


Vor allem infolge der Weltkriege wurde die Diagnose Posttraumatisches Belastungssyndrom (PTBS) entwickelt, aber wir kennen z. B. auch historische Berichte über Feuersbrünste, in denen die gleichen Symptomatiken geschildert werden.

Auslöser der PTBS sind Opfer- oder Zeugenschaft außergewöhnlicher Bedrohungen, die zu einer tiefen Verstörung führen:

  • Schwere, auch sexuelle Gewalt.
    Die Erfahrung menschengemachter Gewalt erschüttert oft fundamental das Ich- und Weltverständnis. Es bleibt ein ‚namenloses Grauen‘, das unvereinbar ist mit dem Glauben an Menschlichkeit. Die Welt ist kein sicherer Platz, Mitmenschen sind bedrohlich, nicht vertrauenswürdig.
  • Natur- oder durch Menschen verursachte Katastrophen
  • Schwere Unfälle
  • Diagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit
  • Terror, Entführung
  • Folter
  • Kampfhandlungen, Erlebnisse bei Aufenthalt in Krisengebieten
  • Flucht und Vertreibung

Das Posttraumatische Belastungssyndrom ist keine Krankheit


Die sich als PTBS zeigenden Symptombilder sind keine Krankheit, keine Fehlfunktion.
Vielmehr erleben wir darin eine zweckdienliche, gesunde Strategie von Körper, Geist und Seele, extreme Bedrohung zu überstehen.

 

Mögliche Spätfolgen

Die Posttraumatische Belastungsstörung kann sich auf vielfache Weise zeigen, zum Teil auch erst längere Zeit nach dem Erlebnis, und das Leben einschränken.

 

PTBS-Symptome

 

Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung können individuell unterschiedlichste Formen annehmen:

 

Gedanken und Erinnerungen (Intrusionen)

Die auslösende, vergangene Situation wird in sich aufdrängenden, unkontrollierbaren Erinnerungen immer wieder durchlebt, oft verbunden mit Selbstvorwürfen, Schuld und Scham.

Flashbacks

In als Flashbacks auftauchenden Bildern scheint es, als würde die Traumatisierung in diesem Moment erneut geschehen; Gefühle von Hilflosigkeit und Bedrohung werden so immer wieder befeuert. Albträume, oft identisch wiederkehrend, können den Betroffenen zermürben.

Kleinste Auslöser (Geräusche, Gerüche, ein bestimmter Tonfall…) können genügen, und Betroffene fühlen und handeln plötzlich so, als ob die längst vergangene Situation in diesem Moment wieder durchlebt wird.

 

Körperliche Symptome

Auch hier ist die Symptompalette weit gefasst: Chronischer Schmerz ohne Befund, Angstschweiß, Verdauungsstörungen, Hautprobleme, Enge in der Brust, Herzrasen und vieles andere mehr können zum Ausdruck innerer Hochspannung werden.

 

Übererregbarkeit

Durch die gemachten Erfahrungen ist das ganze System in ständiger Alarmbereitschaft. Folge davon können Schlaflosigkeit, allgemeine Nervosität und Konzentrationsschwäche sein. Die hohe Reizbarkeit kann zu einer Neigung zu Wutausbrüchen führen.

 

Vermeidung

Oft wird Reizen aus dem Weg gegangen, die auch nur entfernt an das traumatisierende Geschehen erinnern könnten (Trigger). Und so werden vielleicht bestimmte Situationen, Orte, Aktivitäten, Begegnungen und Gespräche gemieden.

Hat z. B. ein Autounfall zur Traumatisierung geführt, wird es für die betroffene Person u. U. belastend bis unmöglich, weiterhin am Straßenverkehr teilzunehmen.

Vermeidung kann zu sozialem Rückzug führen, bis hin zur Teilnahms- und Interesselosigkeit, dem Einstellen von Hobbys, Ausschlagen von Einladungen etc. Man fühlt sich ‚fremd im eigenen Leben‘, ‚auf dem falschen Planeten gelandet‘. Die Bandbreite des Erlebens und Ausdrückens von Gefühlen wird eingeschränkt, Betroffene neigen zu emotionaler Taubheit.

 

Negative Grundstimmung

Erlebnisse, die zu PTBS führen, erschüttern das Vertrauen: in mich, in andere, in das Große Ganze, das Transzendente.

Die Wahrnehmung des Selbstwerts ist gestört, Freudlosigkeit kann auch Tätigkeiten erfassen, die früher Spaß gemacht haben. Die Lebensfreude erlischt.

Missbrauch von Alkohol oder Medikamenten zur scheinbaren Beruhigung stellt für von PTBS Betroffene eine Gefahrenquelle dar. Negativität und Depressivität können bis zur Suizidalität führen.

 

‚Speechless Terror‘ – Sprachloses Entsetzen

Betroffene sind weder fähig, die Traumatisierung mit Worten zu beschreiben, noch auszudrücken, wie sie über die Ereignisse fühlen und denken.

 

Zu Zeiten drohender Gewalttätigkeit der Betroffenen gegen sich selbst oder andere kann medikamentöse Unterstützung sinnvoll sein. Aller Erfahrung nach wird das Grundproblem damit aber nicht gelöst.


Faktoren für ein erhöhtes PTBS-Risiko


Bestimmte Faktoren können dazu beitragen, dass eine Person anfällig wird, nach entsprechenden Erlebnissen eine PTBS zu entwickeln:

  • Fehlende emotionale Unterstützung durch die Eltern
  • Bestrafender Erziehungsstil
  • Dauerstress in der Familie
  • Aufwachsen in Armut
  • Eltern, die mit PTBS belastet sind (Epigenetik)
  • Fehlendes soziales Netzwerk
  • Aufreibende Lebensereignisse wie Scheidung, Arbeitslosigkeit, schwere Todesfälle…

 

Was der PTBS entgegenwirkt


Nach dem 2. Weltkrieg untersuchte der israelisch-amerikanische Soziologe Aaron Antonovsky KZ-Insassinnen und stieß auf ein unerwartetes Ergebnis: 29% der Frauen wiesen trotz der unvorstellbaren Qualen des Lagerlebens weder körperlich noch psychisch langfristige Beeinträchtigungen auf.

 

Gesunder Umgang mit maximaler Belastung

Aus den Erfahrungen der Frauen extrahierte Antonovsky Faktoren, die den Umgang mit maximaler Belastung ermöglichen, der Entwicklung einer Posttraumatischen Belastungsstörung entgegenwirken:

  • Gute Problemlösefähigkeiten
  • Bei Problemen baten die Frauen um Hilfe.
  • Sie glaubten daran, dass es Möglichkeiten gibt, mit den Problemen umzugehen.
  • Sie hatten enge Beziehungen zu Familie und Freunden.
  • Sie teilten mit, ein Trauma erlebt zu haben.
  • Sie halfen einander.
  • Sie waren spirituell / religiös verwurzelt.
  • Sie sahen sich als ‚Überlebende‘ statt als ‚Opfer‘.
    Dieser Unterschied zwischen aktiv und handlungsfähig statt passiv und hilflos kann zentral für eine wieder in das Leben führende Begegnung mit Trauma sein.

 

Der therapeutische Kontext


Somatic Experiencing® und EMDR bieten uns das Werkzeug, auch derartig extreme Erschütterungen zu integrieren, zu befrieden und damit den Fluss des Lebens wieder zu stärken.

Heilung kann stattfinden, ohne die das Trauma auslösende Situation erneut durchleben zu müssen.

 

Beide Methoden sind dafür ausgelegt, mit überwältigenden Erfahrungen zu arbeiten. Dabei gilt unsere Aufmerksamkeit vor allem den gegenwärtig in Körper, Geist und Seele ablaufenden Reaktionen. Als deren ‚Dialogpartner‘ etablieren wir Ressourcen, all das, was uns so stark gemacht hat, dass wir überlebt haben. Im Spüren der Begegnung dieser beiden Pole kann sich die Energie sukzessive lösen und entladen.